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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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Syrien

SYRIEN 2008 (08.11. – 15.11.2008)

- eine Art Reisebericht -

von Heike Kirchhof

(Highlights, Impressionen, Explosionen, Vorkommnisse, Ärgernisse, Gewinne und Verluste ......)

Samstag, 08. November 2008 – “... Auf dem Wege nach Damaskus“

Heutzutage führt besagter Weg über den Frankfurter Flughafen. Man erreicht ihn relativ bequem mit dem ICE binnen 4 Stunden ab Leipzig Hauptbahnhof, allerdings nur, wenn bei der Bahn nicht gerade Ausnahmezustand herrscht.

Zum Bahnhof muss man erstmal kommen. Am besten per Taxi – bequem und schnell. Dachte Ute, als sie ihren persönlichen Taxifahrer für 6.15 Uhr bestellte.

Später, als sie nach vergeblichem Warten mit ihrem Koffer zur Tanke zottelt, um ein anderes Taxi einzufangen, denkt sie nur noch: !“Na das fängt ja schon mal gut an ...!“  6.35 Uhr, gerade als ich nach dem Handy fahnde, um ein Taxi zu ordern, kommt eins. Mit Ute drin. Peggy hatte uns beinahe als verloren verbucht. Jetzt ist sie doch recht froh, dass wir sie einsammeln. Bekoffert und besackt steht die Gruppe am Bahnsteig. Mit dem Zug haben wir Glück, können zwei hintereinander gelegene freie Abteile bewohnen.  Erste Verluste. Griseldis. Maria. Gruppenmutti Gesine macht sich auf die Suche nach ihren Kinderchen. Nicht, ohne vorher ihr Hightec-Handy gut sichtbar für alle vorbeilaufenden  auf ihrem Koffer abzulegen, wohl um zu testen, ob jemand den Wert erkennt. Niemand. Als sie nach 20 Minuten wiederkehrt, wartet es noch brav.

In Dreiergruppen prüfen wir die Rauchmelder in der Toilette und stellen erfreut fest, das es keine gibt.

Frankfurt. Nur 20 Minuten verspätet. Auf dem Flughafen ist gut Zeit zum Eindecken mit überlebensnotwendigen Getränken und ’nen Snack bei Mac. Zwischenzeitlich ist mal Freimut weg, doch der hat bloß schnell sein Gepäck aufgegeben.

Alle Häschen im Flieger. Gesine kann sich zufrieden zurücklehnen. Neben mir zersägt Ingrid das Heck der Maschine, wacht aber pünktlich zum Abendessen auf. Schräg vor uns sortiert eine russisch aussehend Mutti 4 ½ Stunden lang ihre schrankkoffergroßen  bzw. weihnachtsmannsackähnlichen Handgepäckstücke  zwischen 5 Sitzen hin und her und blockiert schlussendlich den Gang so, dass Ingrid nicht raus kommt.

Damaskus/Flughafen. Alle da? Ja, außer Ingrid, die kämpft noch um ihre Freiheit.

Gepäck ist auch angekommen. Mein Koffer wie immer zuletzt. Vor der Passkontrolle steht ein braungebrannter Mensch mit ’nem GEBECO-Schild und sammelt die Pässe ein. Derf der das überhaupt? Er darf. Er ist unser Reiseleiter für die kommende Woche. Übrigens geht das hier ratz batz, noch bevor sich die Leute vom Schreck über den Verlust ihres Passes erholt haben, haben sie ihn schon zurückbekommen.

Alle da? Nein. Griseldis fehlt. (Doch nicht etwa bereits gekidnappt?) Gesine stürzt retour,

um nach ihr zu suchen. Währenddessen steht die vermisste Person inmitten einreisender Syrer an der Passkontrolle an. Gesine sieht sich zu einer mahnenden Ansprache genötigt. Ob’s hilft? Man darf gespannt sein.

Erster Eindruck von draußen: Dunkel. Kühl. Am Straßenrand ein paar zerflederte Palmen. Im Bus ist ausreichend Platz für alle. Auf dem Wege nach Damaskus stellt sich unser Reiseleiter vor. Khaleb,. Ehemaliger Schiffskapitän, handfester Typ, Christ und Syrer mit Herz und Seele (aber das kriegen wir später). Es gibt eine Runde Kekse und bei der Erwähnung von Palästina, “das sich derzeit Israel nennt“ erste Irritationen; für Proteste allerdings ist es noch zu früh, auch das kriegen wir später.

Hotel ist okay, wenn auch sehr abgeschottet. Oh, ein  Balkon! Freudig juchzt die Raucherseele. Beim Abendessen begeistern die Vorspeisen und wir freuen uns über das Fladenbrot. Mid dem  Bedienungsservice allerdings hapert’s mächtig. Getränke zu bestellen ist schwierig. Sie dann zu bekommen auch. Dafür wird beim Kassieren schon mal auf 200-300% aufgerundet, das gleicht es wieder aus. Letztes Pfeifchen im Foyer, dann noch eins auf mit Elisabeth dem Balkon und “schlaft gut bis zum Muezzin!“

                                                                   Hotel Palm Village am Morgen

Sonntag, 09. November 2008 – Auf dem Wege durch Damaskus

Den Muezzie hab ich überhört. Zu müde (ich), zu leise (er), zu weit weg (Moschee)???

Elisabeth aber meint, er hätte geträllert.

Draußen strahlender Sonnenschein. Jeder nickt seinen Koffer ab, dann richten wir uns im Bus ein. Die meisten übernehmen ihre Plätze von gestern. In meinem Falle geht es nicht, Rosi braucht Panorama. Margit kommt als letzte, Pech, sie muss nach hinten. Abfahrt verzögert, ein Zimmerschlüssel fehlt noch. Der Hotelportier tippt auf Ingrid, die ist empört. Doch das gesuchte Objekt verbirgt sich tatsächlich in ihrer Tasche.

Zuerst geht es zum Syrischen Nationalmuseum, welches sowohl im idyllischen parkähnlich angelegten Außenbereich als auch innen auf ziemlich gedrängtem Raum ein paar Jahrtausende menschlicher Kultur und Architektur beherbergt. Natürlich nur aus dieser Gegend, versteht sich. Da sich – wie wir ja bereits aus Geschichte 5. Klasse wissen – hier “die Wiege der Menschheit“ befand und sich auch später noch so einiges abspielte, Hethiter, Römer, Byzantiner, Osmanen etc., sind die Syrer mitnichten auf Importe alter Steinen und Gerätschaften angewiesen, sie haben alles selber, wie Khaleb nachdrücklich betont. Angenehm nachvollziehbar die sauber chronologische Anordnung und gute Beschriftung der Exponate.

Vorbei an heftig hupenden Schrottmühlen und interessiert guckenden Einheimischen schlängeln wir uns bis zu Saladin durch. Der sitzt auf einem hohen Ross und wird von Katzen bewacht. Damaskus ist die älteste Großstadt der Welt, was an den antiken  Autos gut zu erkennen ist. (War das da eben ein alter Lada?) Sie hat über zwei Millionen Einwohner, scheint, als wäre mindestens die Hälfte davon heute unterwegs. Es gibt

sie verschleiert, als Schlumpf (mit Turban), als Kurzrockfraktion in Rudeln auftretend (offenbar christliche Studentinnen), betucht, im Anzug mit Aktenkoffer oder traditionell im Kaftan. Hinter Saladin beginnen die Labyrinthe der Suqs von Damaskus. Der Duft, die Geräusche, die verschleierten Mädels, die bunten Stände faszinieren. Tücher, prachtvolle Stoffe, Seifen, Gewürze, Leckereien – es erinnert irgendwie an 1000 und eine Nacht. Man möchte eintauchen, gucken, stöbern, handeln – nur sind wir ja per Herde unterwegs, nicht einmal Ingrid hat Lust, auf Khalebs Handy anzurufen und um Erlösung zu flehen. Gruppenstopp vorm Eisladen, danach geht’s unbarmherzig weiter.

LEIDER.

 

 

Und zwar zur Omayyaden-Moschee, die auf den Überresten eines antiken Jupitertempels errichtet wurde. Ihre Besichtigung ist für uns Weiber nur verhüllt möglich, was nach anfänglichem Frust in erheblichen Heiterkeitsausbrüchen gipfelt. Besonders Griseldis kommt ganz toll rüber, Gesine kriegt sich fast nicht wieder ein. Aber auch die anderen sehen aus wie Mumien im Ganzkörperkondom.

Anschließend Besichtigung des Saladin-Mausoleums (Mäuseleum? Ah, deshalb die vielen Katzen!) dann wieder raus – aus dem Sack und aus dem Suq. Noch kurz in eine Koranschule und dann Mittagsrast im ältesten Teehaus der Stadt, mit Kardamonkaffee, Zigarettchen, von Khaleb organisiertem frischen Brot und Klo. Hier soll es auch einen Märchenerzähler geben, aber der ist um diese Zeit noch nicht dran. Nach der Stärkung geht’s durch kleine Gassen zur Ananias-Kapelle über der weithin sichtbar ein Heiliger thront. Und zur Verinnerlichung: “Saulus wird Paulus in Damaskus“ – allerdings erst nach seiner Heilung durch Ananias (nicht Ananius, auch wenn das besser klingt!).

 

 

Ab in den Bus und raus aus Damaskus, unterwegs machen wir Rast im Wüstencafé “Bagdad“ – selbstverständlich mit Wüstenkatze - und steuern Palmyra an.

Das Hotel hier ist nicht mehr ganz so komfortabel wie das vorige, auch hat das Zimmer keinen Balkon. Zum Abendessen wieder leckere Vorspeisen, noch immer freuen wir uns über Fladenbrot und die Getränkebestellung ist wieder schwierig. Diesmal ist der Verlust auf meiner Seite, für eine Flasche Wasser knappe 20 € - tja  - BRILLE ! Dafür bekommt Gesine als Ansichtsmaterial eine zweite Büchse Bier (libanesisches), die sie erst mal konfisziert. (Dass wir die im nächsten Hotel vergessen, kann sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen)

Um das Hotel rum gibt es ein paar kleine Läden, so dass man nach dem Essen noch mal rauskann. Einige folgen Khaleb in’s Beduinenzelt. Neben Kaffee und Tee gibt es Wasserpfeife – (aber nicht sofort) -  und eine heftige Diskussion über Israel und sieben Dörfer... Irgendwann, Stunden später, schafft es Dirk doch noch, seine Schischa zu bekommen. Er genießt.  Anne, Ute und Peggy offensichtlich auch, nur Fritz ziert sich wie die Zicke am Strick. Zuletzt wird noch der verdächtig an Hundekuchen erinnernde  “gemeine Berberkeks“ probiert, dann verabschieden wir uns von dem putzigen, sprachbegabten Berber. Auf dem Rückweg ins Hotel treffen wir den Rest der Gruppe. Ich kaufe einen Moscheenwecker, vorsichtshalber, falls mir der Muezzin diese Nacht wieder entgehen sollte ...

Verluste? Griseldis vermisst ihre Jacke. Bleibt zu hoffen, dass die in Damaskus im Hotel auf sie wartet.

 

              

Montag, 10. November 2008 – PALMYRA

Allaaaahu .... – Na also. Da isser wieder!

Vor dem Hotel werden wir sofort von Händlern eingekreist und mit diversen Tüchern behangen. Einige wehren sich, einige kaufen, unter anderem Griseldis, die eigentlich keins braucht und später behaupten wird, wir hätten sie dazu genötigt.

Auf Palmyra war ich nach den Räuberfotos am meisten gespannt. Mal sehen, ob sich’s lohnt. Doch. “ Palmyra“ – das klingt irgendwie nach Palmen. Vorerst allerdings sieht man  nur Säulen und Steine, davon aber nicht wenige. (Palmen gibt’s auch, aber erst dahinter)  Die Stadt Palmyra, in einer Oase nahe der Seidenstraße gelegen, stellte in der Antike ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Parthern im Osten dar, insofern vermischen sich hier hellenistische, römische, östliche und arabische Elemente, je nachdem, wer gerade das Sagen hatte.

Wir beginnen am Baal-Tempel, einem von Säulen flankierten Monumentalbau, der im 1. JH n. Chr. entstand und an dem etwa bis ins 12. JH  herumgebastelt wurde. Neben einer wundervollen Säulenstraße sind noch Reste von Thermen, eine Agora aus dem 2.JH, ein Theater, das heute noch bespielt wird und imposante Grabanlagen zu sehen. Wir haben Glück mit dem Wetter und auch so, niemand stolpert und das Gelände ist zu übersichtlich, um jemanden zu verlieren. In den Ruinen kann man richtig rumkrabbeln, ohne Verbotsschilder, Absperrungen und Wächter. Nach Rast und Pfeifchen an der Säulenstraße beschließe ich, die Gruppe ziehen zu lassen und im antiken Ambiente ein Freiluftklo zu suchen. Das ist nun kein Problem, nur dauert es,

bis die letzten Fotofans weiterziehen. Just als ich mich – ach, endlich allein -  gemütlich in einer Kuhle niedergelassen habe, kommt die Nachhut. Ingrid.

Mittagessen unterm Blätter-Baldachin, flankiert von mauzenden Vierbeinern, danach  schnell noch Datteln fassen dann geht’s weiter, Richtung Euphrat. Mittagsruhe im Bus.

 

       Die Brücke über den Euphrat wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Ute hat ihre Gründe, sie auszulassen. (einer muss ja unser  Gepäck nach Hause überführen!)

Wir anderen latschen drüber und freuen uns darauf, im Zweistromland anzukommen. Der Aufenthalt dort ist allerdings kurz, dem Sonnenuntergang entgegen werden wir zurück zum Bus getrieben, was reichlich sinnlos ist, denn später hängen wir bloß im Hotel rum. Und das Hotel in Deir Ezzor ist nicht nur am Arsch der Welt (bzw. an der Grenze zum Irak), sondern auch relativ komfortfrei. Während wir uns paarweise in winzige Kemenaten quetschen und beim Kofferöffnen abwechseln müssen, weil der Platz nicht für beide reicht, bewohnt Griseldis eine Art Turnhalle. Sie hätte durchaus Platz für eine Gruppensportveranstaltung, denn außer einem Bett und einem Sofa steht nichts weiter drin. Erstmals haben wir viel mehr Zeit, als wir eigentlich brauchen und nichts weit und breit, um sie nutzvoll zu verbringen. (Alternative: Aerobic bei Griseldis) So kommt man auf so absonderliche Ideen wie: Karten schreiben, Fernsehen (es gibt ca. 200 arabischsprachige Programme),  Haare waschen (sehr riskant, die Dusche ist absolut gewöhnungsbedürftig. Gesine und Anne überfluten aus Langeweile ihr Bad)

              

Abendessen. Vorspeisen. Fladenbrot. Ach ja. Erstaunt registriert Griseldis das Humus. So etwas, behauptet sie, hat sie noch nie gesehen, geschweige gegessen. Wir werfen uns besorgte Blicke zu. Später rauchen wir noch ein bisschen und gehen ins Bett. Mehr ist hier und heute einfach nicht drin.

Jokes des Tages: Khaleb weist auf die magische Zahl Sieben hin, fragt: “Wissen Sie ein Beispiel?“ Antwort aus dem Volk “Sieben Zwerge !“ (... 7 Dörfer???)

Frage Khaleb: “Wissen Sie noch, wen Christus getroffen hat?“ Antwort Fritz: “Klar, da waren wir dabei!“ (na ja, er sicher!)

Dienstag, 11.11.2008 – BURGEN, BURGEN BURGEN ... und eine Bootsfahrt auf dem Euphrat (Eu-Fah-Rad)

Bemerkung des Tages, gleich früh. Fritz:  “Ein BOMBENWETTER !“ (– wie bereits erwähnt befinden wir uns nahe der Grenze zum Irak.)

Vorbei an kleinen Höfen mit Schafen, Ziegen, Eseln, Hunden, winkenden Kindern (und natürlich Katzen aller Coleur) geht’s zur Festung Halabiya, auf der sich einst Zenobia, die machtgeile Königin von Palmyra, vor den gleichfalls macht- und anderweitig geilen Römern verschanzte, was ihr letztendlich jedoch nichts genutzt hatte. Hier kann man

wieder sehr schön klettern, allen voran Griseldis. Gesine trifft auf ihre Oma, die nun als Hund wiedergekommen ist, die Ähnlichkeit,  zumindest der Haarfarbe, ist frappierend.

Die nächsten Festung befindet sich in der byzantinischen Pilgerstadt Resafa, auch Sergiopolis genannt, nach dem römischen Soldaten Sergios, der dort so um 300 n. C. ein wenig gefoltert und dann enthauptet worden war. Es gibt es ein gut erhaltenes Tor, gewaltige Zisternen und eine Hauptstraße; ansonsten erinnert das Ganze eher an eine Kraterlandschaft. Nervig sind die zahlreichen Kinder, die hartnäckig versuchen, uns irgendwelchen Tinnef anzudrehen. Besonders Rosemarie kann sich nicht retten, die Biester wittern offensichtlich, dass hier was zu holen ist. In der Kathedrale treffen wir diesmal nicht auf die Jungs und Mädels von“ Sayonara“,  die uns sonst überallhin  verfolgen, sondern auf ältere Herren aus Deutschland, die uns bitten, gemeinsam mit ihnen “Kyrie eléison“ zu singen. Das tun wir doch glatt, bilden einen gemischten Chor und huldigen der Götter. Es klingt nicht mal übel, obwohl auch ich mitsinge. Die Herren sind Pfarrer, einige stammen aus Thüringen, einer kommt aus Leipzig, er war früher für die Propsteigemeinde tätig. Da kriegt man doch gleich so was wie Heimatgefühle !

Dialog im Bus. Fritz zu Ingrid: “Hier, Frau Doktor Rohrbacher!“ “Ich heiße Rohrwacher!“ Fritz: “Aber Du hast gleich gewusst, wen ich meine!

 

Bevor wir die die arabische Burg “Quaalat Djabar“ am Euphrat in Angriff nehmen, gibt es erst mal was zu mampfen. Vorspeisen und Fladenbrot, unterm Schattendach, flankiert von der üblichen Katzenversammlung. Nachdem einige die Zitadelle erklettert haben, andere das klagende Hundebaby zu beruhigen versuchen, geht es hinunter zum Euphrat, den wir mit einem Boot befahren wollen. Der Abstieg allerdings ist nicht ohne, über Steine müssen wir uns fast bis ans Wasser hangeln und dann auf einer wackelige Hühnerleiter ins Boot klettern. Ute und Maria verzichten gleich. (Falls wir ertrinken, muss schließlich jemand die Angehörigen benachrichtigen). Wir anderen kämpfen uns irgendwie hin, die einen steinabwärts auf dem Hintern, andere auf allen vieren, kaum jemand weiß hinterher noch, wie er es eigentlich geschafft hat. Cathrin rutscht ab und mit einem Fuß in den Euphrat; es sieht gefährlich aus, aber außer dem Schrecken ist nichts passiert, was ein Whisky nicht heilen könnte.

Mit Blick auf die Zitadelle schippern wir los. Ute und Maria mutieren zu Pünktchen. Wir umrunden die kleine Insel und genießen die ruhige Fahrt; die eine oder andere hängt schon mal für’s Foto die Füße in den Fluss. Der Ausstieg ist nicht so gefährlich, unser Bootsmann wählt dafür eine andere Stelle. Schnell noch zur Erinnerung ein paar Steine aus dem Eu-fah-rad, dann geht’s zum Bus, schließlich wollen wir nach Aleppo.

   

So flott wie gedacht, sind wir dann doch nicht da, irgendwann unterwegs nämlich,

direkt unter Rosemarie, knallt es. (wer weiß, was sie gegessen hat) Danach gibt der Bus sehr komische Geräusche von sich und fährt merklich langsamer. Ins Hotel schaffen wir es schon, allerdings nicht in der geplanten Zeit.

Das Hotel“ Mandaloun“ mit seinem romantischen Charme begeistert sofort. Es ist ein  ehemaliges Bürgerhaus, zweigeschossig, mit überdachtem Innenhof, der als Foyer genutzt wird, die geräumigen  Zimmer sind von den Galerien aus begehbar. Wegen der Fensterläden zum Innenhof ist es drin etwas dunkel, das Oberlicht zumindest kann man öffnen, um Luft einzulassen. Elisabeth verliebt sich sofort in den hübschen Lift.

Die Herren Pfarrer sitzen bereits da und begrüßen uns freundlich lächelnd. Noch vor

dem Abendessen versucht Pechvogel Cathrin, einen zweiten Unfall zu inszenieren, sie stolpert und rutscht auf dem Hintern die Treppe von ihrem Zimmer ins Foyer. (geht sicher schneller, tut aber weh!) Griseldis kommt raus und sucht ihren Zimmerschlüssel. Er steckt. Als wir ihn haben, hat sie vergessen, dass sie das Zimmer eigentlich verlassen wollte.

Khaleb zeigt voller Stolz Fotos von seiner Familie. Und seinem Wochenendhaus. Am Fuße der Golanhöhen. (Aha)  Abendessen. Es gibt wieder leckere Vorspeisen und –na ja - Fladenbrot. Das anschließende tote Huhn mit Reis und leckerer Soße schafft kaum noch jemand. Danach ziehen wir noch mal los. Da das Hotel an einer Einkaufsstraße liegt, hoffen wir auf ein paar interessante Schnäppchen. Anne deckt sich mit Aspirin ein, ansonsten finden wir nichts rechtes. Nun versuchen wir, auf die - lt. Khaleb - bei jungen Syrern recht verbreiteten Englischkenntnisse vertrauend, das empfohlene Café “Sissi“ zu finden. Schwierig. Die einen kennen „Sissi“ nicht, die anderen können kein Englisch. Doch. Sehr freundlich sind alle. Schließlich treffen wir auf eine junge Frau, die jemanden kennt, der Englisch spricht. Ein Straßenimbissverkäufer. Er versteht nicht nur die Sprache, er kennt auch „Sissi“ und ist zudem noch in der Lage, zu beschreiben, wie man es findet. Das Café ist tatsächlich nach der österreichischen Kaiserin benannt! Und es ist hier kein Problem, für unsere 12köpfige Herde einen entsprechenden Tisch zu bekommen, und das, obwohl wir deutlich machen, dass wir nur was trinken wollen! Der Cappuccino ist auch noch richtig gut, was will man mehr!

Zurück zum Hotel brauchen wir kaum 5 Minuten.(warum einfach, wenn es umständlich geht?)

    



Verluste? Das von Gesine in Palmyra erbeutete Bier steht noch im Kühlschrank des vorigen Hotels. Und Griseldis vermisst immer noch ihre Jacke.

Mittwoch, 12. November 2008 – Aleppo

Als erstes fahren wir zur ca. 60 km entfernten Ruine des byzantinischen Simeon-Klosters, einer Pilgerstätte aus dem 5. JH. Hier, so heißt es, hat sich Mönch Simeon

auf einer Säule niedergelassen, um der Welt zu entrücken und Gott näher zu sein.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat er auch noch 40 Tage im Jahr gefastet. (Vermutlich ist er irgendwann vor Schwäche runtergefallen und heilig gesprochen worden. Heutzutage hätte man ihn sicher einweisen lassen, so ändern sich die Zeiten!)  Die Säule gibt es noch, teilweise zumindest.  Die Ruine der kreuzförmig angelegten Basilika allerdings ist imposant und der Ausblick lohnt. Man schaut bis in die Türkei, vielleicht hat das den Simeon gereizt.

Khaleb nutzt die Gelegenheit, um Fritz zu missionieren. Danach macht er ihn zum Johannes,  sprich, er tauft ihn. Anne wird zur Maria. Wir kommen noch mal davon.

        

Zurück in Aleppo nehmen wir als erstes die Zitadelle in Angriff. Sie thront auf einem Hügel, ist weit zu sehen und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. In vorchristlicher Zeit stand hier vermutlich ein dem Wettergott Hadad gewidmeter Tempel. Im 12./13. JH wurde die Anlage so errichtet, wie sie heute zu sehen ist, allerdings wurde sie immer mal durch die Mongolen zerstört und von Mamluken wieder repariert. Allein der Brückenzugang zum Gelände ist gewaltig. Auf der Brücke werden wir durch Herden uniformierter Schulkinder fröhlich begrüßt. Oben angekommen, gönnen wir uns erst mal bei einem Käffchen oder Tee einen Blick auf die Stadt und ’nen Gang aufs Klo. Hier gibt es zwei Moscheen, eine große prunkvolle und die kleinere Abraham-Moschee. Im Theater bekommen wir von den Kindern eine beeindruckende Demonstration staatlich gelenkter Dressur geboten, so viel  Fanatismus bei so kleinen Kindern zu beobachten, wirkt schon befremdlich. (haben wir das damals  als Pioniere im Geiste Ernst Thälmanns auch so durchgezogen?) Khaleb hält eine Ansprache, die wir natürlich nicht verstehen, die Kiddies aber jubeln. Auf dem Wege zum Hamammerken wir, dass Ingrid verlorengegangen ist. Gesine dreht noch mal um, doch erfolglos. (W wie weg) Bäder und Thronsaal werden also ohne sie besichtigt.

           
Am Fuße der Burg hat’s Kaffeehäuser, in einem lassen wir uns nieder. Der Kellner

besorgt vom Bäcker nebenan kleine, leckere Käsepizzas,  wir bestellen Granatapfel-

saft, der so sauer ist, dass einige Mädels unverhofft wieder zu Jungfrauen werden.

Da taucht plötzlich Ingrid auf. Da sie die Gruppe oben nicht wiederfinden konnte, war

sie sicherheitshalber schon mal runtergegangen. Ehe wir uns versehen, entfleucht sie allerdings wieder, muss noch mal zur Zitadelle, schließlich hat sie ja einiges verpasst.

Na wenigstens weiß sie den Namen des Hotels. Alle Befürchtungen sind unbegründet, bevor wir in den Suq eintauchen, ist auch sie wieder zurück. Zumindest kurzzeitig.

Der Suq ähnelt dem in Damaskus, es ist ebenso voll, allerdings sieht man hier mehr verschleierte Frauen. Mehr Zeit als in Damaskus haben wir nicht, keine Ahnung, wie es Elisabeth gelungen ist, auf die Schnelle ein paar Geschenke zu erwischen. Auf einem Verkaufstisch liegt ein Typ und telefoniert mit dem Handy, jemand lässt sich Gewürze mischen, Radfahrer, Mopeds, Verkaufswagen hinter, vor, neben einem, Klingeln, Hupen, Geschrei... Wieder draußen, registrieren wir erneut personelle Defizite. Ingrid. Aber da Ramona, Margit, Fritz und Rosemarie gleichfalls fehlen, wähnen wir sie in guter Gesellschaft und sind überzeugt davon, dass sie uns schon irgendwie finden werden. Richtig. Man trifft sich sich beim “Baron“. Wir schauen eine Karawanserei an und  ziehen an einer Omayadenmoschee vorbei, die

Besichtigung des Inneren lassen wir aus, niemand hat jetzt Lust auf Vermummung.

Das Baron-Hotel, so der Reiseführer, “lebt vom verblassten Glanz vergangener Tage“. Hier nächtigten Könige, Prinzen, Millionäre, Schriftsteller, Präsidenten (de Gaulle), Spione (007 ??), ja sogar Juri Gagarin. (Ob die heute wieder dort absteigen würden?)  Wir zumindest gehen rein, nehmen im verblichener Ambiente der Bar einen Arrak und dürfen einen Blick in die Zimmer von Laurence v. Arabien und Agatha Christie werfen.

Der Rest des Stadtgangs, durch das armenische Viertel, an “Sissi“ vorbei, findet ohne Freimut statt, ihn haben wir vermutlich im “Baron“ vergessen. Erst in unserem Hotel bekommen wir ihn unbeschadet zurück. Kurz vor’m Hotel begibt sich Griseldis noch auf die Knie, um zu testen, wie hart das Pflaster ist. (Ziemlich hart.)

Bis zum Abendessen ist noch massig Zeit. Elisabeth und ich erjagen Süßigkeiten, duschen und nehmen noch einen Kaffee zur Zigarette.

Abendbrot gibt es heute in einem kalten, staubigen Verlies unter dem Kellerrestaurant. Diese Gruft betreten offenbar auch die Kellner nur ungern. So dauert es seine Zeit, bis ein solcher in Sachen Getränke auftaucht. Den verwirrt zuerst Ingrid mit ihrer (schon für mich sehr kompliziert klingenden) Weinbestellung. Dann protestiert Dirk. Will der doch sein Bier einfach nicht aus meinem Weinglas trinken, also versucht er, dem Kellner begreiflich zu machen, dass er ein Bierglas möchte. Fritz auch. Der Junge ist nun voll entnervt und hat Null Ahnung, worum es eigentlich geht. Nach heißem Disput mit einem Kollegen und erheblicher Wartezeit bringt er ein Mehrzweckglas. Für Dirk. Die Mädels vom Nebentisch trinken ihr Bier ohne zu murren aus Weingläsern.

Die Gruppe im Keller über uns hat Bierhumpen bekommen. Wie wir gestern.

Die Vorspeisen sind hier ganz toll, es gibt sogar Frittiertes. Auch  Fladenbrot .... Der Hauptgang besteht, wie gestern, aus Reis, Huhn und Soße; die zumindest, beschließe ich, zu Hause mal auszuprobieren. Im Foyer rauchen wir ein bisschen vor uns hin, andere ziehen noch mal los. Fritz schleppt Anne zu “Sissi“ab.  Uns hingegen zieht’s ins Bett. Elisabeth hat ZDF gefunden, wir gönnen uns mal Nachrichten von daheim. Kaltfront über Deutschland. Ansonsten im Westen nichts neues.



Donnerstag, 13. November 2008 – Ebla, Apameia, Hama

Auf dem Wege nach Ebla versucht uns Khaleb zu verklickern, dass wir Deutschen, historisch betrachtet, eigentlich Syrer sind. Schließlich wären die Hethiter damals bis Hamburg gekommen. Diesmal intervenieren nicht nur Fritz und Gesine, schallendes Gelächter beendet die flammende Ansprache

Ebla ist eine der bedeutendsten kulturhistorischen Ausgrabungsstätten der Welt. Hier wurde in den 70er Jahren von italienischen Archäologen ein 17000 Tafeln umfassendes Tontafelarchiv (Keilschrift) mit Texten aus der Zeit um 2500 v. Chr.  in einer bis dto unbekannten semitischen Sprache, ausgebuddelt. (Einige Gebrauchsgegenstände

und Steine konnte man im Museum von Damaskus betrachten.) Die Besiedlung der

Stadt ist von 3500 v. Chr. bis in die hellenistische Zeit nachzuweisen, die Blütezeit von Ebla als Kultur- und Verwaltungszentrum lag so um 1800 v. Chr. Zu sehen gibt es hier Reste von Palästen, Tempeln, Grabkammern und ein Tor.

Vor der nächsten Station schmeißt Khaleb eine Runde Arrak. Danach ist mir schlecht. Auch Maria fühlt sich nicht, sie steuert auf direktem Wege das Klo an. Jetzt ist der Himmel zugezogen, hinten über dem Gebirge braut sich was zusammen. Auf der Säulenstraße von Apameia werden wir permanent von Mopedfahrern attackiert, die uns neben den unvermeidlichen Postkarten auch Regenschirme andrehen wollen. Lästig, vor allem wenn man auf der Suche nach einer gemütlichen Klosäule ist.

Apameias Ursprünge gehen auf die hellenistische Zeit zurück, schon  Alexander der Große soll sich hier rumgetrieben haben. Ungefähr 300 v. Chr. baute Seleukos die Siedlung aus und benannte sie nach seiner Gattin, einer persischen Prinzessin. Die meisten der heute zu besichtigen Ruinen allerdings stammen von den Römern, wie man an der Säulenstraße gut sehen kann. Stadtachse und Rundbau zeigen Elemente aus justinianischer Zeit. Da Apameia Bischofsitz war, gibt es neben Kathedralen und Kapellen einen Bischofspalast. Später, nach den Sasaniden, haben die Osmanen die Stadt besetzt und noch ein paar Moscheen hinzugefügt. Es gibt ein Theater, das im Mittelalter als Kastell genutzt wurde und selbstverständlich auch eine Zitadelle.

                              

Hier haben wir haben sogar das Glück, Archäologen beim Buddeln beobachten zu können. Es ist wie überall. Einer gräbt, vier stehen dabei und gucken.

Am Ende (des Ganges) treffen wir auf Beduinenfrauen mit süßen kleine Kindern. Eins ist blond!  Die Frauen, sehr freundlich und kommunikativ, schenken uns Pistazien und Baumwollblüten. Dass wir die Kinder fotografieren, mögen sie allerdings nicht.

Auf der Fahrt Richtung Hama ist Khaleb sonderbar still, wettert weder auf die Israelis, noch auf die Amerikaner und nicht mal auf die Saudis, die ihm ganz besonders gegen den Strich gehen, weil mit ihrer Gehirnwäsche sämtliche Muslime versauen. Unterwegs halten wir, um ein für die Gegend typisches Wasserrad (Noria) anzuschauen. Khaleb versucht, es vorzuführen, doch das Ding springt nicht an, was ihn auch nicht fröhlicher zu stimmen vermag. In Hama werden wir begrüßt. Musikalisch. Vom Muezzin. Nein. Von Muezzinen. Es hätte gut klingen können, wenn alle gleichzeitig gesungen hätten. Doch da die zeitversetzt einfallen, klingt es irgendwann wie eingeklemmter Katzenschwanz, nicht mal „Allahu akbar“ ist noch auszumachen, es jault einfach nur laut. Der jetzt reichlich missgelaunt wirkende Khaleb führt uns in ein Gartenrestaurant, wo wir glauben, etwas zu essen zu bekommen. Das iss’n Trugschluss, außer dem üblichen Kaffee und Tee scheint es nichts zu geben. Allerdings lohnt sich der Ausblick auf das gegenüberliegende Flussufer, mit Wasserrad und Moschee im Hintergrund.

Diesseits, auf der Wiese,  sitzt wie festgetackert ein gutgenährter Kattrich, der sich köstlich über ständig auftauchenden, fotogeilen Touris  aus der Gruppe amüsiert.

Im Affenzahn jagen wir durch die hübschen Gässchen der Altstadt, an drei wichtigsten Moscheen und dem Azem-Palast vorbei, schauen kurz auf die Zitadelle,  haben dabei weder Zeit für einen  Blick in die kleinen Läden noch dafür, irgend etwas aufzunehmen. (Weder materiell noch geistig) Unterwegs warten wir immer mal auf Ingrid, wenn sie ran ist, wird weitergerannt. (Dass es hier einen Bazar gibt, kann man im Bus im Reiseführer nachlesen, wozu hat man denn das Teil dabei ...)

     

Weiter geht es nach Homs. Inzwischen ist Khaleb ganz verstummt, ist er vielleicht beleidigt, weil wir keine Syrer sein wollen? Oder hat Fritz wieder was Schräges von sich gegeben? Man sorgt sich.! Zudem pladdert jetzt heftiger Regen aufs Dach und gegen die Scheiben des Busses, das animiert zu einem

Schlamm. Von der Stadt nehmen wir ansonsten nichts weiter wahr, da sei der Wettergott vor.

Mit ca. 1 Mio Einwohner ist Homs die drittgrößte Stadt Syriens und eine der ältesten der Welt. Auch hier gibt es eine Altstadt mit Zitadelle und hübschen Suqs,  das kann man im Reiseführer nachlesen...).

Das Hotelzimmer ist groß, aber schweinekalt. Bleibt nur die Flucht nach unten. Der dort rauchend sitzende „harte Kern“, hat bereits herausgefunden hat, dass es hier eine gutsortierte Bar mit Getränken zu moderaten Preisen gibt. Na, zumindest eine Möglichkeit, den Abend rumzukriegen. Inzwischen ist auch Khaleb wieder zum Leben erwacht. Sein vermeintlicher Missmut erklärt sich mit Zahnschmerzen. Ich biete ihm einen Korkenzieher an, aber er verzichtet und nimmt lieber eine Tablette. Momentan allerdings platzt er sowieso beinahe vor Stolz, weil seine älteste Tochter, die einen Schreibwettbewerb gewonnen hat, am Sonntag als Auszeichnung in die USA fliegen wird. (Feindberührung?)  Das gibt schon mal Zündstoff für die spätere Diskussion. Nach dem Abendessen landen wir tatsächlich in der Bar. Es ist gemütlich, man kann rauchen, das Getränkeangebot reicht von höchstprozentig (Carola schlägt zu!) über Arrak, Whisky, Wein, Bier, Kaffee  bis zu Pfefferminztee, welchen ich vorsichtshalber nehme.(wusste gar nicht, dass man nicht erschossen wird, wenn man in einer Bar so was trinkt)

Obwohl Fritz aus irgendeinem Grund heute abend nicht unter uns weilt, gibt es heiße Debatten mit Khaleb. Es geht über sieben Dörfer, in den Golan, zu den Saudis,  bis hin nach Amerika àß und wieder zurück. Irgendwann im Laufe des Abends versucht sich Gesine in Bibelzitaten, allerdings ziemlich frei übersetzt. Ich stelle fest, dass sie verdammtes Glück hat, das Fritz nicht hier ist, der hätte das schon wortreich in den Originaltext zurechtgerückt. Khaleb droht,  ihn sofort zu holen. Wir monieren, dass er ohne Fritz nun wohl gar nicht mehr sein kann. Bloß gut, dass Khaleb einlenkt und gesteht, dass er nicht ausschließlich Fritz liebt, sondern uns alle, was dann doch ziemlich beruhigend ist.                                                            

Freitag, 14. November 2008 – Krak des Chevaliers, Schlepphodenhose, Maalula und Abschiedsblick auf die Lichter von Damaskus

6.30 Uhr Wecken. “Verbringst die Nacht Du auf dem Klo, fühlst Du Dich des Morgens froh! Oder auch nicht.“ (alte Kreuzritterrregel, Runkel von Rübenstein zugeschrieben) Letzte Etappe. Gesine sammelt schon mal Spenden. Heute fahren wir zuerst zum Krak des Chevaliers, einer typischen Kreuzritterburg, dann nach Maalula, am Nachmittag steht als Höhepunkt Shoppen im Suq von Damaskus auf dem Programm. Den Krak erreichen und besteigen wir ziemlich mühelos. Krak (Crac) heißt Festung. Diese hier liegt zwischen Alawiten- und Libanongebirge, wurde Anfang  des 11. JH errichtet, permanent belagert, erobert und durch Erdbeben zerstört. Auch Saladin und seine Leute hatten’s mal mit Belagerung versucht, konnten die Festung aber nicht erobern. 1144  wurde sie an den Johanniter-Orden abgegeben, unter dessen Regie neue Befestigungsanlagen gebaut wurden, zunächst die Oberburg mit  Kasematten und der Burgkapelle, später der Außenwall, das Nordtor, die Unterburg und der untere Teil des Toraufgangs. 1271 waren die Mameluken am Zug, danach wurde das Teil nicht mehr angegriffen. Im Mittelalter siedelten hier Bauern.  Wir schauen die Säle,  Hallen und mächtigen Speicher an und drehen – mit Ausnahme von Ute – bei guter Sicht eine Runde an der Außenmauer. Auf der Plattform trifft Gesine auf sich selbst (in 10 Jahre) in Gestalt einer Dame aus Kanada. Mit einiger Verspätung trudelt auch Ingrid ein, dann kann es weitergehen. Wir liegen prima in der Zeit, die Aussicht auf das nachmittägliche Shopping ist hervorragend. Doch zuerst steuern wir Maalula an. 

Nur will nun der  Bus nicht mehr. Er tuckert und hüpft, mehrmals steigt der Fahrer aus, redet ihm gut zu, vergeblich. Ein paar Kilometer schleicht er, dann ist Schluss. Aus. Ende. Und das natürlich inmitten der Pampa, genau neben einer Baustelle. Wir nutzen die Zeit und einen freiliegenden Schuttplatz zum Pullern. Khaleb telefoniert. Mit Erfolg. Ein Kleinbus soll uns bis Maalula bringen und während wir die Klöster besichtigen, will man einen neuen Bus schicken. Jetzt aber heißt es erst mal warten. Und gucken, was abgeht. Besonders spannend: Bauarbeiterhosen, deren Böden nämlich auf Kniehöhe enden. Da passt schon ’ne Menge rein. (Hose verpflichtet! Oder hängen hier die Ärsche so tief?) Ich weiß nicht, wer den Begriff “Schlepphodenhose“ geprägt hat, aber demjenigen sollte man den Orden für die kreativste Wortschöpfung der Reise verleihen und “Schlepphodenhose“  zum “Wort des Jahres“ nominieren.

Kommentar Fritz zum  Thema: “Ich kann doch nicht in Schläppern rumloofen, was denkste, was da losgeht!“ Darauf Ute: “Besonders bei mir!“

Nach 20 Minuten Schlepphodenhosenbetrachtung kommt der Kleinbus. Wir sammeln sämtliches Handgepäck aus unserem Bus und quetschen uns mit Beuteln, Taschen, Jacken, Klopapier und Datteln in das Kleinteil. Gut, dass es bis Maalula nicht weit ist. Beim Aussteigen werden wir nachdrücklich gebeten, auch wirklich ALLE Klamotten aus dem Kleinbus zu entfernen. Vorerst deponieren wir sie im Café vor dem Klo bzw. Klost

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