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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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Libyen

REFLEXIONEN LIBYEN

der etwas andere Reisebericht (nur für Eingeweihte) von Heike Kirchhof

29.10.2007 – Ankunft Djerba

Treffpunkt Schkeuditz Flughafen. 7 Weiber und ein Fritz, jeweils mit gewichtigen Reisetaschen oder Rucksäcken und Schlafsäcken behangen. Ingrids Reisetasche ziert ein Teddybär. Einchecken zum Flug nach Djerba. Ankunft hier gegen 12.00 Uhr nachts, das Hotel liegt völlig im Dunklen, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt, vom Hotelpersonal nimmt vorerst niemand Notiz, später sollte sich herausstellen, dass das dem Stil des Hauses entspricht.  Zu warten, bis das Gepäck selber vom Dach des Kleinbusses springt, bleibt uns letztlich erspart; auf die Zimmer tragen müssen wir es in Ermanglung geschultem Personals allerdings selber. Soviel zum 1. Eindruck vom Hotelservice.(dass der 2. und 3. dem ähnelt, wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht). Begrüßt werden wir aber doch, von Lutz, der seit einer Woche im Hotel zu Hause ist. Ihm und seinen Connections zum Barpersonal ist zu verdanken, dass wir noch etwas zu trinken bekommen.

30.10.2007 – 1. Tag – Djerba

Das Hotel ist die Katastrophe in Reinkultur. Wir erleben eine bemerkenswerte Kombination aus Superanlage, unfähigem Management und genervtem Personal, das einem den Eindruck vermittelt, hier stört nur eins, GÄSTE nämlich, und Deutsche ganz besonders. Zu unseren Höhepunkten des Tages gehörten:

1., der Abenteuerliche Versuch, für 10 € Kaution ein Handtuch  zu bekommen +

2., die noch abenteuerlicheren Bemühungen, dieses wieder loszuwerden

3., Gesines und Kerstins Begrüßung vorm Shop mit „Hallo“, um gleich darauf als „Scheißdeutsche“ abqualifiziert zu werden

4.,  Abendessen im Hotelrestaurant

Wir haben nur Frühstück gebucht – warum auch immer - . Da aber auf unseren Hotelausweisen Halbpension angekreuzt ist, beschließen wir, diese auch in Anspruch zu nehmen. Wir stellen uns also dumm und schlagen am Buffet ordentlich zu. Es klappt leider nicht. Ein bulldoggenähnlich aussehender Kellner baut sich vor uns auf und will Geld. Da er das nicht kriegt, besorgt er sich Verstärkung. Eine zweite Bulldogge. Geld gibt es nicht, aber Gesine bestellt schon mal Nachtisch. Den Geschäftsführer. Der erweist sich als Plinse, fernab jeglicher Höflichkeitsformen, lässt sich aber letztlich auf einen Deal ein. Wir zahlen 10 Dinar pro Person und verzichten auf Trinkgeld (Wofür auch?), was dem Kellner nicht so zusagt, da hatter einfach Pech …

Auch gelangten wir zu wichtigen Tageserkenntnissen wie:

1., tunesische Bürokratie ist genauso unsinnig wie deutsche;  2. Frechheit siegt in jedem Falle; 3. Italiener scheinen irgendwie ein dickeres Fell zu haben

Am Abend – wir sitzen noch draußen und diskutieren über das Restauranterlebnis -  bekommen wir Zuwachs. Jeanette aus Dortmund, die mit mir das Zimmer/Zelt teilt, und Mohammed (oder Buscha), der Reiseleiter, der einige Jahre in der Ex-DDR verbracht hat, gut deutsch spricht und offensichtlich Humor hat. Das gibt schon mal Hoffnung für die nächsten Tage. Ich bin erleichtert, Jeanette ist okay, wir werden miteinander klarkommen.

31.10.2007 – 2. Tag – AUF NACH LIBYEN !!!

Katastrophe des Tages – gleich früh. Gesine und Kerstin kämpfen mit ihrem Safe. Vom gelangweilten Hotel-Personal scheint niemand zuständig bzw. abkömmlich. (Na was hat man denn auch erwartet???) Letztlich löst Mohammed das Problem. (Der Safe war übrigens offen, aber das erzählen wir lieber niemandem)

Inzwischen haben sich die Mitstreiter der Reisegruppe formiert, vorgestellt und begrüßt. Margit, die berlinernde Schweizerin, kennen wir bereits vom Strand, ihr Oskar ist echter Schweizer, ganz ruhig, bald wird auch klar, warum. Jutta und Brigitte kommen aus Berlin, mit Margits Dialekt aber können sie nicht mithalten. Iris und Thomas – er klein, sie rund, aber sehr fröhlich, Ruth und Rolf, Alt68er, wahrscheinlich von Kommune 1 irgendwo vergessen, mit vielen Kameras. Und Ulf, gepäcklos, aber gut gelaunt.

Allen Prophezeihungen und Warnungen zum Trotz gestaltet der Grenzübertritt sich eher unkompliziert  (wenn man mal von den Klos absieht ...), nach Allohol fragt überhaupt niemand, so bleibt uns  „Klosterfrau“ zumindest vorerst erhalten und Gesine der (versprochene) Knast erspart. Wenn man das geahnt hätte, hätte man ja auch Whisky einpacken können.

Die erste Ausgrabungsstätte, die wir besuchen, ist SABRATHA

(Antike Stadt, gegr. im 7. JH vor C. von Phöniziern, von Karthagern zum Handelszentum ausgebaut, als solches von Römern zur Blüte getrieben, später von Vandalen erobert, im 7. JH von Muslimen vereinnahmt + später durch Erdbeben zerstört)

Hier gibt es eine Menge hübscher Ruinen aus der Römerzeit . Allerdings sieht es anfangs aus, als würde die geführte Besichtigung zum Flop, der Mensch, der uns führen soll, hat nämlich seine Stimme eingebüßt. Zwar bemühen wir uns ernsthaft, seine (übrigens in Deutsch abgefassten) Aufzeichnungen zu entziffern und uns gegenseitig zu Gehör zu bringen, aber außer einer gewissen Situativkomik kommt dabei nicht viel Informatives raus. (Satz des Tages auf die Frage, wo Ingrid sei, die auch vorlesen wollte: „Die ist noch in der Maske!“)

Schließlich wird doch jemand gefunden, der sprechen kann, also: das Ganze noch mal und diesmal richtig. Im Amphitheater wird noch eine Taekwandoo-Show  geboten, dann  weiter mit dem Bus nach Gharyan, gegen 21.00 Uhr erreichen wir das Hotel und werden sofort abgefüttert. Uns Rauchern wird allerdings noch ein Highlight geboten: Ulf kommt vom Shoppen und führt uns voller Stolz seine gerade erworbene Spielhose vor ...

        

1.11.2007 – 3. Tag – ca 650 km von Gharyan nach Ghadames

Katastrophe: nach ca. 120 km erinnert sich Gesine, dass ihre beiden Portemonnaies (unter anderem mit dem Geld für die Visa und Eintrittsgeldern für Leptis) noch unter ihrem Hotelbett schlummern. SCHOCK. Mohammed allerdings sieht „kein Problem“, telefonisch veranlasst er Nachsendung mit einer anderen Reisegruppe.  Gesine bleibt cool, zumindest äußerlich. Bei jedem Halt hofft sie, es möge ein Fahrer mit ihren Mäusen auftauchen, was schon mal dazu führt, dass sie fremden Autofahrern entgegenläuft. ... (Natürlich wird gefrozzelt, tscha, wer den Schaden hat .....etc.pp.)

Erste Station: NALUT – Besichtigung der verlassenen Berberstadt - erst die Wohnburg mit Speichern (ringförmig angeordnete, wabenartig  übereinander gebaute Wohnhöhlen, die oberen sind nur über eine schmale Treppe zu errreichen), später sehen wir uns die verlassene Altstadt (Ksar) mit Wohnungen, Moschee, Brunnen und Ölpresse an (die zahlreichen verwinkelten Räumchen ermöglichen so manchem ein unbeobachtetes Pullererlebnis im historischen Ambiente)

Gegen Abend wird uns eine Pause wegen Sonnenuntergang verordnet, inmitten einer Herde Kamele, die sich offensichtlich köstlich amüsieren.

Nach Ankunft im Hotel erst mal Stromausfall in der ganzen Stadt. Anfrage an Mohammed: „Passiert das oft?“ Antwort: „Nie !“ (AHA)  Beim Abendessen wird es wieder finster, aber die Jungs vom Personal sind verdächtig schnell mit der Notbeleuchtung zur Stelle. Nach dem Essen (das Licht ist inzwischen wieder da), ein kurzer Orientierungsgang durch die Stadt. Lutz erwirbt ein Glas  „scharfe Prinzessin“, das uns später  in der Wüste sehr dienlich sein wird.

Auch bahnen sich erste zwischenmenschliche Kontakte bei Vertretern unterschiedlicher Geschlechter der beiden Marco-Polo-Reisegruppen an. Der nicht mehr ganz so gepäcklose Ulf erwirbt ein Gadafi-T-Shirt. Und später verschwinden einige Schlucke „Klofrau -Melissengeist“ auf unerklärliche Weise aus ihren Flaschen..

Sprüche des Tages: „Intuitives Ikebana für Frauen auf dem Weg“ (Ulf); „Wenn ich Deine kurzen spitzen Schreie höre...“ (Fritz zu Jeanette); darauf Rosemarie: „Du immer mit Deinen Erinnerungen an den ersten Weltkrieg !“

2.11.2007 – 4. Tag – Ghadames + Wüstenschnuppertour mit untergehender Sonne

Weckruf Muezin „Alllaaahhhh  ...“ Darauf Jeanette mit dem 1. Spruch des Tages: „Oh, mein Lieblingssänger !“

Nach Erwerb von Wüstentüchern und vergeblichen Versuchen, ihre Wickeltechnik zu begreifen, folgt unter Zuhilfenahme der Taschenlampen die Besichtigung der imposanten Altstadt von GHADAMES,  einem unterirdischen Labyrinth aus Gassen, Gängen, Räumen, errichtet in traditioneller Lehmbauweise, gruppiert um eine Moschee,  mit vielen schattigen Versammlungsplätzen und von Palmen umsäumten Wegen; von einer Stadtmauer eingegrenzt; übrigens, da kühl, als Sommerresidenzen genutzt , und am heiligen Freitag – wie heute – als Versammlungs- und Kommunikationsstätte – also herrscht bewegtes Leben, allerdings sieht man nur Männer und Kinder, die Frauen hat man gut versteckt ... (vielleicht vor Fritz oder Lutz oder Ulf?)

Mittagessen oder nur Tee im Stadthaus, dann verlassen wir das Labyrinth unter Fritz’ professioneller Führung. Feststellen muss man, dass in Libyen die Uhren irgendwie anders ticken. Sogar die Hähne krähen, wenn ihnen danach ist. (Vielleicht Verordnung von Gaddafi, der auch hier in allen möglichen Varianten aller 50 m auf Plakaten zu besichtigen ist) Siesta im Hotel, dann geht es erstmalig per Jeep in die Wüste.  Mit im Wüstensand gebackenem Brot und heißem Tee gestärkt, krabbeln wir auf die Dünen, um den Sonnenuntergang zu genießen und einen leisen Eindruck zu bekommen, was uns die nächsten Tage erwartet.

Abendessen diesmal außerhalb, in einem Restaurant. Die Portemonnaies, deren Ankunft mit dem Fahrer einer französischen Reisegruppe angekündigt waren,  sind noch nicht aufgetaucht. Die Gruppe, so heißt es, ist da, der Fahrer aber sei verschwunden. Ein allmählicher Anflug leichter Bedenken schleicht über Gesines Gesicht. Vorsichtshalber verabschiedet sie sich schon mal von der Gruppe, um am nächsten Tag notfalls vor Ort auf ihre Gelder zu warten. Doch nach dem Abendessen taucht ein diabolisch grienender Mohammed auf, in Begleitung eines Fahrers, der etwas in der Hand hält.  Der Rest ist Jubel...

(tatsächlich fehlt kein Cent !!!) Nach dem Essen noch einige Capuccinos und Espressi im nahen Coffeeshop, dessen Besitzer wir damit recht glücklich machen (oder ’ne Runde mailen), dann heim ins Hotel (man hier als Weibchen ganz sicher und unbehelligt allein nach Hause gehen) + süße Träume bis zum nächsten Muezin.

2. Spruch des Tages: „Guck mal, ein Schlumpf!“ (Ulf beim Anblick eines Turbanträgers)

3.11.2007 – 5. Tag – 800 km von Ghadames nach Sebha

Morgendliche Katastrophe: Pechpinsel Ulf geht einer seiner Kontaktlinsen verlustig,  fortan sieht er Libyen durch eine von Lutz geborgte Brille.

Spruch des Tages: „Alpenliebe in der Wüste“ (Gesine) Ansonsten gibt es außer einer ewig währenden Busfahrt nichts Bemerkenswertes zu vermelden.

Abends im Hotel in Sebha rät Mohammed, auf die für morgen geplante Fahrt nach Ghat zu verzichten, um Kilometer zu sparen und mehr von der Landschaft zu sehen. Außerdem wäre Ghat mit Ghadames nicht zu vergleichen und auch so nicht toll. Die meisten sind einverstanden, nur Ingrid, Rolf und Ruth wirken angesäuert und protestieren latent vor sich hin. (nutzt nix, Ghat bleibt gestrichen)

4.11.2007 – 6. Tag – Ab in die Wüste ...

Abschied von der Zivilisation. Letzte Dusche vor der Wüste. Der vorerst letzter Muezin. Letzter Blick auf Gaddafi??? Erste Erkältungsopfer schniefeln und husten vor sich hin. Nach dem Frühstück verteilen sich Gruppe und Gepäck auf die Jeeps. 1. Katastrophe: Schweiz und 68er werden brutal getrennt. Nicht nur das, es sieht so aus, als müssten auch Paare geschieden werden. Gesine schlägt Auslosen vor, wir opfern uns. Statt wie geplant gemütlich zu dritt mit Mohammed fahren, trennen wir uns. Jeanette fährt mit Schweiz und ich mit Rolf&Ruth. (Dass wir in die Scheiße gegriffen haben, merken wir erst später)

Iris und Thomas adoptieren Lutz, Kerstin und Gesine werden von Ulf bespaßt Fritz, Ingrid und Rosi formieren sich zu einer Art Bildungsgemeinschaft. Bevor es losgehen kann, gibt es noch 68er-Protest, weil Mohammed bei uns einsteigt. Zu meinem Leidwesen tauschen wir nun das Auto mit Ute und Peggy, die unübersehbar genervt sind von dem ganzen Zauber. Zum Trost bekommen sie Mohammed und bevor Rolf&Ruth was neues einfallen kann, heben wir ab.

1. Fotostopp nahe Germa bei den Königsgräbern der Garamanten

(einem Berbervolk, das etwa ab  5. JH vor Christi hier siedelte und den Trans-Sahara-Handel beherrschte; das Garamantenreich existierte neben dem Römischen Reich bis ca. 7. JH, wurde dann durch muslimische Araber zerstört) – Eindruck: pyramidal

Das Thema „Ghat“ schwelt leise vor sich hin, Ingrid ist sauer. Dazu Spruch des Tages (Rosemarie): „Ihr müsst das verstehen, sie hat nicht mehr viel Zeit!“

Mittagspause. Im Schatten eines riesigen Wüstenbaumes zaubert der Koch einen Salat, der nicht nur lecker schmeckt, sondern auch eine Augenweide ist. So manches Foto wird geschossen, natürlich bevor wir drüber herfallen.

Ein Hoch dem Koch. Doch schon bahnt sich eine neue Katastrophe an. Im Jeep von Ruth&Rolf  (+ mir) riecht es nach Benzin. Rolf droht: „Keinen Schritt weiter in diesem Auto!“. (OH ja!!) Leider wird das Problem beseitigt. Rolf schließt Mohammed in die Arme und bleibt uns bedauerlicherweise erhalten. (Fortan riecht es im Auto nur noch nach Rolf und Ruth.) Gegen 18.30 Ankunft im Dünen-Nachtquartier. Der Zeltaufbau muss erst gelernt werden, doch die Fahrer helfen. (Einer allerdings ist ein  „Grapscher“, zumindest versucht er es am ersten Abend) Nur „Stasi“, das geschniegelte Aufsichts-Bürschchen, sitzt rum und guckt den anderen beim Arbeiten zu.

Das Abendessen ist ebenso lecker wie das Mittagsmal. Wir sitzen noch eine Weile zusammen, erzählen ein paar Witze und freuen uns am nahen, klaren Sternenhimmel.  Beeindruckende Vorführung von Kerstin unter Zuhilfenahme eines Handtuchs: „Beten und kneten, beten und kneten. Dann geht’s ab in die Zelte oder in die Säcke ... beten und kneten ...oder einfach nur schnarchen ... Jeanette verzichtet gleich mal auf’s Zelt und bleibt unter freiem Himmel. Auch gut, habe ich viel Platz ...

5.11.2007 – 7. Tag – Fahrt ins Akakus-Gebirge (Dildoland)

7.15 Muezin.  Aus der Konserve (Wecker). Die Frühstücksdiskussion dreht sich darum, wer am lautesten geschnarcht und wer am meisten gehustet hat. Man nimmt sich vor, heute darauf zu achten, neben wem man sein Zelt aufschlägt und in wessen Nähe lieber nicht. Nach Zeltabbau und Morgenspaziergang geht’s weiter per Jeep, jeweils begleitet vom klangvoller einheimischer Wüstenmusik. Ich sitze neben dem leckeren jungen Fahrer, hinten schweigen Ruth und Rolf. 65 km bis Awynat; Nach Rauchpause mit Shoppen und Handeln geht’s ins Akakusgebirge. Die obskur geformten Felsen erinnern an riesige männliche Geschlechtsteile. Eins neben dem anderen. Jedes gewaltiger als das  andere. Wir sind im „Dildoland“.  Am Schaft eines besonders gewaltigen Penis fühlt man sich zur Mittagsrast so richtig gut aufgehoben.

Nach dem Mittag gibt es die ersten von den versprochenen Höhlenmalereien. Da Ingrid nicht glauben kann, dass sie original sind, gibt Ulf zu, dass er es war  und wird fortan dafür verantwortlich gemacht. Dankenswerterweise treffen wir später auf eine Schweizer Touri-Gruppe, die von Ghat enttäuscht war. Das reicht, um Ingrid wieder huldvoll zu stimmen und dieses Thema  entgültig abzuhaken. „Ghat ist tot.“(Ulf)

Wir zelten neben Felsen und finden das komfortabelste Klo der gesamten Reise – im Fels, mit Ausblick auf die Zeltlandschaft.  Der Aufbau geht jetzt schon flotter von der Hand, und der Grabscher grabscht nicht mehr. Nach dem tollen Abendessen finden sich die ersten aus der Gruppe gemeinsam mit den Fahrern – noch verhalten - am Feuer zusammen.

6.11.2007 – 8. Tag – Akakusgebirge

Nach dem Frühstück Wüstenspaziergang mit Einsammeln von Kugelsteinen. Ruth – heute im orangen T-Shirt + bunter Schlafanzughose (wie auch gestern, vorgestern und die Woche zuvor) - macht darauf aufmerksam, dass man aus Libyen gar keine Steine mitnehmen darf! (ach, nicht???) Darauf Gesine mit dem Spruch des Tages: „Aus Leptis Magna würde ich auch keine mitnehmen!“ Antwort der nun sichtlich beruhigten Ruth, „Oh nein, natürlich nicht !“ (das ist doch nicht zu toppen, oder?)

Wieder gibt es hübsch bizarre Felsen und Felszeichnungen (Jagdszenen) aus prähistorischer Zeit (der gute Ulf, die ganze Nacht hatter geschuftet!).

Wieder genießen wir die wundervolle Musik aus den versandeten Recordern unserer Fahrer. Ich verstehe immer nur „Jesaja, jesaja“, kann nicht sein, oder?  Gesine, Ulf und Kerstin kreieren ihre eigene Übersetzung „Wer schmust mit mir“; und haben offensichtlich viel Spaß. Bei uns gibt es dann Pferdewiehern, übrigens die einzigen Lautäußerungen hier drin.  Im „Schweizer Block“ herrscht Musik- und Fensteröffnungsverbot, dafür kreischt und labert Margit ununterbrochen, Jeanette ist genervt. Während der nächsten Rast hinterlassen Jeanette und Ulf Fußspuren auf jungfräulichen Dünen und fallen damit  bei den Berliner Nichtrauchern in Ungnade.  (typischer Fall von Wüstenvandalismus!) Übrigens müssen wir auch hier in der Wüste nicht auf Gaddafis Konterfei verzichten, Ulf verkörpert ihn leibhaftig. (T-Shirt-mäßig)

Nach dem Mittagessen eröffnet Jeanette in der Sonne ein „Café Dune“, das uns fortan nach Frühstück und Mittagessen überall hin begleiten wird ...

Gegen Nachmittag stellt sich bei Jeanette ein „Hängerchen“ ein. Kein Wunder, der Margit-Sound und die dicke Luft im ungelüfteten Jeep schlägt auf den Darm und das Gemüt...

Abends Kontaktaufnahme + fröhliches Beisammensitzen mit den Fahrern und Mohammed am Feuer + frisch geräuchert geht’s ins Zelt  - zum Schlafen, schnarchen, husten ... Jeanette und ihr Sack bleiben auch heute außen vor.

7.11.2007 – 9. Tag – Einflug ins Wadi Mathendusch

Flirrende Hitze, Sand und Schotterpiste – wenn dann im Auto auch noch permanentes Schweigen herrscht, kann man sich schon mal ein „Hängerchen“ erlauben, wie ich das heute tue. Jeanette geht es wieder gut, heute schwächelt Oskar (kein Wunder bei der ständigen Beschallung „Oskar guck mal, Oskar, hier! Oskar da, Oskar, Oskaaar ...)

Es geht durch Eyden Murzuk zum Wadi Mathendusch. Es ist staubig, heiß, holprig, bandscheiben- und busenunfreundlich, wie Gesine zu berichten weiß. Und öde. Am Nachmittag zeigen sich zwischen Schotter und Sand erste Dornbüsche; natürlich bleibe ich prompt drin hängen.  Während die eine Hälfte der Gruppe im oberen Teil eines Felsens von Ulf gemalte Bildchen bestaunt, trifft der Rest auf eine kleine Schlange, die vor unserem Anblick sofort entsetzt flieht. (es gibt also doch intelligentes Leben in der Wüste ...) Im Reiseführer stoße ich auf einen Vogel namens „Weißbürzelsteinschmätzer“, den wir (Ulf + ich) aufgrund seines Namens sofort zu unserem  Lieblingsvogel erklären.

Die Zelte werden wieder in den Dünen aufgeschlagen, der Aufbau funktioniert jetzt schon fast von selbst. Sorgsam sondiert man das Gelände, um nicht in die Nähe der etwas geräuschvoller schlafenden Zeltbewohner zu geraten, doch so ganz klappt das nicht in jedem Fall. Die Schweiz und Rolf&Ruth bringen es tatsächlich fertig, in der einzigen nahen Klobucht zu zelten (nun ja, so weit her ist es mit intelligentem Leben in der Wüste nun doch nicht !) Am nächtlichen Lagerfeuer steigt die Stimmung, die Fahrer tauen langsam auf..., wir feiern mit ihnen Thomas’ Geburtstag (er hat zwar grad keinen, aber feiern kann man den ja vorsichtshalber trotzdem)

8.11.2007 – 10. Tag – Wadi Mathendusch, Germa

Fremdkörper im Dünenklo können belastend sein, der Weg zum nächsten ist arg weit. Beim nächtlichen Pullern im rutschigen, tiefen Sand verliere ich den Halt und rolle rücklings mit runtergezogener Hose die Düne runter. Halleluja.

Ulf hat nicht nur in der Nacht fleißig gemalt, wie wir noch sehen werden, seine soziale Ader hält an. Jeanette bekommt Kaffee an den Sack gebracht, Gesine und Kerstin heißes Wasser und Musik ans Zelt. So kann der Tag beginnen. Um unser Zelt und Jeanettes Schlafplatz ziehen sich Spuren nackter Füße. Heftig grübeln wir, wessen nächtlichen Besuch wir wohl verschlafen haben.

Völlig orientierungslos kommt Ingrid vom Dünenklo, ihr Zelt ist verschwunden. Irgendwann finden wir es gemeinsam, anhand der Reisetasche mit Teddybären kann es identifiziert werden. Lutz redet bereits am Morgen kariertes Zeug (ADS-Syndrom oder einfach nur besoffen? Noch oder schon wieder?). Einer der Fahrer ist krank, der von Schweiz und Jeanette (vermutlich ein durch das Margit-Syndrom verursachter Nervenzusammenbruch)  Dass auch Stasi schwächelt , macht nix, der ist eh zu nichts zu gebrauchen. Später nimmt auch Peggys Gesicht eine leicht grünliche Tönung an. Uns anderen geht’s halbwegs gut, zumindest bis zum Stopp am Wadi Mathendusch, wo wir, partiell heiß ersehnt, auf die andere Marco Polo Reisegruppe treffen und damit auf die heutige Katastrophe zusteuern. Als nämlich Kerstin, von Sehnsucht bzw. Wiedersehensfreude getrieben,  aus dem Auto hüpft, um ihrem gesundheitsbeschuhten Scheich leichtfüßig entgegen zu sprinten, knackt’s im Bein. Gruß von Achilles oder „Fluch der bösen Taten“ ??(geprägt von Ute,immer wieder mal gern geäußert)

Mit Joggen ist es vorerst vorbei. Mit schmerzfreiem Laufen allerdings auch.

Treffend dazu Ulf: „Sport und Turnen führt früh in die Urnen. 

Die Felszeichnungen finden sich direkt hinter der Schotterpiste, im Tal der Fliegen. Sie sind abwechslungs- und zahlreich. Es gibt Elefanten, Strauße, Rinder, Giraffen, Ziegen, Gazellen, aber auch langbeinige Krokos und sowas wie Menschen. (das hat Ulf aber fein hingekriegt !)  Katastrophe 2. Beinahe büßen wir Brigitte ein. Obwohl Jutta gesagt hat „Tu‘s nicht!“, ist sie hoch in den Felsen geklettert, um ja kein Foto zu verpassen. Nun kommt sie nicht wieder runter, das hat sie nun davon! (Sagt Jutta)  Doch wir haben ja Mohammed, den tapferen Retter. Der klettert rauf, schnappt  sich Brigitte und reicht sie zurück an Jutta, damit die sie im Auto richtig kleinfalten kann.

Am Nachmittag ist uns ein absolutes Highlight vergönnt. Nahe dem Museum von Germa gibt es echte Klos mit richtigem Wasser ! (die meisten wissen gar nicht mehr, wie es ist, im Sitzen zu pullern). Und eine Steckdose. Rosi nutzt die Gelegenheit, ihren Akku aufzuladen (den für die Kamera, nicht den eigenen), das Museum muss deshalb auf sie verzichten. Später besichtigen wir noch das antike Garama, die einstige Hauptstadt der Garamanten, eine mit Palmen bewachsene Ausgrabungsstätte mit dem Wächter, der einst in Karl-Marx-Stadt studiert hat und einem Wüstenhasen, bei dem es sich gewiss um die Reinkarnation eines der früheren Einwohner handelt.

Im Laufe des Tages und am Abend kommt auch wieder Klofrau-Melissengeist zum Einsatz, diesmal allerdings nicht prophylaktisch, sondern als Therapie. Gegen Übelkeit, Beinschmerz, Margit, Frust und schlechte Laune.

Auf dem Weg zum Nachtquartier tickt Margit im Auto aus. Das ist nicht gerade neu, aber diesmal massiv. Heftig schimpft sie auf den Fahrer, wie der sich wohl erlauben kann, auf Nachzügler zu warten, anstatt die wichtigsten Personen (also sie und Oskar) erst mal nach Hause zu bringen !!! Frechheit ! Sollen die anderen doch sehen, wo sie bleiben ! (Sie sprach wohl von „verrecken“) (Jeanette kann es echt nicht fassen und wir anderen später auch nicht) Passend gewesen wäre hier ein Spruch von Ulf, den dieser am Nachmittag Jeanette gegenüber abgelassen hatte: „Dann fahr doch nach Mallorca, Du dumme Kuh !“

Beim Abendessen fehlen Hocker, die gestern noch da waren. Dass sie in den Zelten der Kotzbrockenfraktion stehen, wissen wir noch nicht offiziell. Die Brille auf haben erstmal Iris und Thomas, soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Allmählich flackert bei den anderen leichter Unmut auf ... Dass Rolf dann auch noch vor bzw. hinter Gesines Zelt pinkelt, hebt den Sympathiepegel nun auch nicht gerade. Abends am Feuer wird gefeiert und gesungen, Kerstin genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit einiger ritterlicher Fahrer. Vorletzte Nacht unterm Sternenhimmel. Jeanette übernachtet eisern vorm Zelt. Übrigens ist Ingrid nicht der einzige Schnarcher, Lutz sägt und Jutta oder Brigitte beherrschen die Melodie gleichfalls mühelos.

9.11.2007 – 11. Tag – Mandara

Nachts wehte ein heftiger Wind, so manches Zelt drohte, abzuheben. Meins auch. Kaffee ans Zelt bzw. an den Sack. Gleich früh gelingt es Ulf, Jeanette an einer empfindlichen Stelle zu treffen „Die Frau mit der schönsten Frisur! “Ob sie gehört hat, dass er auch noch murmelt: „Ich dachte, die Mütze sei angewachsen!“ , weiß ich nicht.  Die Fertigkeiten beim Zeltauf- und Abbau haben sich merklich verbessert. Danach Spaziergang, Jogging fällt heute übrigens aus beinlichen Gründen flach. 

Die meisten Akkus zeigen Schwäche, also letzte Gelegenheit zu einem Gruppenfoto mit Fahrern und Kochmannschaft nutzen, bevor es zu spät sein könnte! Erste Rast in einer Oase am Maflu-See. Ulf und Jeanette spielen im Sand, die anderen shoppen oder matten einfach ab

Die Jagd über die Dünenpiste ähnelt einer Achterbahnfahrt, manch Frühstück denkt an Flucht nach draußen. Und wenn der Wagen, in dem man sitzt, plötzlich seitlich dünenabwärts zu rutschen droht, bekommt selbst der Kleinmesse gestählte Kotzmühlenfan kurzzeitig weiche Knie. Ich krabble raus und mir ist plötzlich sehr komisch, besonders als ich sehe, wie tief die Seite, auf der ich saß, nach unten hängt. Hau ruck! Die gesamte Männercrew braucht schon eine Weile, um die Kiste unter Aufbietung sämtlicher Kräfte wieder nach oben und auf die Räder zu kriegen.

Heute ist der 9.11. – Befreiungstag für den Osten. Rosemarie schreibt das Datum in den Sand, (für die, die nach uns kommen, hi hi) gefeiert wird später.

Irgendwann im Laufe des Tages kommt Margit beinahe unters Auto, leider sieht der betreffende Fahrer sie doch noch rechtzeitig. Er bremst. Schade.

Mittagsrast unterm Dach am See. Einige testen, ob das Wasser des Salzsees wirklich trägt, Ulf bemüht sich mäßig erfolgreich, auf dem Salattablett eine Düne herabzurodeln.  Andere relaxen – mit oder ohne Schlaftablette an ihrer Seite. Dann gibt es noch die, die in jedem Fall Sieger am Futtertrog sind und sich gewohnt lautstark mit schwachsinnigen Bemerkungen in die Gehörgänge der übrigen bohren. 1. Satz des Tages (von Ute mit einem Anflug von aggressiver Ironie vorgebracht): „Wie war das doch gleich in Madagaskar ?“

Der letzte Zeltaufbau geht rasend schnell. Natürlich motzt Margit wieder rum, weil ihr Auto als Schlusslicht ankommt, zur Strafe klaue ich ihr die letzten dickeren Matten regelrecht unter der Hand weg. („Wer zu spät kommt, schläft hart“) Allerdings blockieren die Schweiz und Rolf&Ruth erneut die nahe Klodüne und für die anderen ist der Weg zum Pullern wieder weit.  Nach dem Abendessen + Loblied auf den Koch – gemütliches Beisammensitzen mit Cola und Getränk aus „Café Lutz“. ( finanziert allerdings von Gesine, aber das wissen die meisten zu dem Zeitpunkt noch nicht). Natürlich nur für ausgewählte Trinker zugelassen,  nicht für jene, die schon nüchtern viel zu laut Blech reden ... Mohammed bringt Frauen mit Massage zum Schnurren, Lutz redet wie immer verwirrt daher, einige versuchen, den Namen des „Weißbürzelsteinschmätzers“ fehlerfrei auszusprechen, was nicht mehr generell jedem gegeben ist.  2. Satz des Tages (Ulf) „Weißbürzelsteinschmätzer!  Da kannst Du froh sein, dass Du Ingrid heißt!“ (fortan gern wieder zitiert). Letzte Nacht im Zelt oder daneben. Es ist windstill und der Himmel leicht verhangen. Jeanette wartet auf den Coyoten, doch der traut sich wahrscheinlich nicht am Nachbarzelt vorbei, wo Jutta (oder Brigitte) bedrohlich schnarcht.

10.11.2007 – 12. Tag – Mandara – Sebha – Tripolis

Kaffee an Sack für Jeanette. Vor dem Frühstück habe ich noch eine kurze Pressekonferenz mit Ulf zum Thema „Nervige Mitreisende“ im Allgemeinen --undim Besonderen solche aus der Schweiz ..., in deren Folge später ein literarisches Meisterwerk entstehen sollte. Zum letzten Male heißt es, Zelt einrollen. (Jetzt, wo wir perfekt sind, ist es zu Ende) Abschied von der Wüste, den Fahrern, leckerem Essen, der Wüstenmusik, den Dünenklos, der „Leichtigkeit des Seins“ in erholsamer Natur. Aber zuerst der Morgenspaziergang, dann geht’s noch mal über Dünen zu einer idyllischen Oase am Gabrunsee die, so noch Kapazitäten vorhanden, Stoff  für wundervolle Fotos liefert. Der letzte Schluck meiner Klofrau geht an Ingrid, nun ist die Flasche frei für Sand.

Letztes Mittagessen unterm Schattendach. Hier treffen wir auf die Kollegen vom  Bildungsbürgertum aus der anderen Reisegruppe, einige, Kerstin kriegt also vor der Mittagdruhe ihre Schlaftablette zurück. Einige, wie auch Stasi, nutzen die Gelegenheit zum Duschen, die Klöe werden von allen besucht. Natürlich sind Rolf und Ruth die ersten am Futtertrog, wie sollte es auch anders sein. Gesine bedankt sich herzlich bei den Fahrern und der Küchencrew, zwei gefüllte Umschläge wechseln die Seiten, dann geht es weiter nach Sebha zum Abendessen, welches nicht schlecht ist, keineswegs aber unseren Wüstenkoch toppt.

Zurück in der Zivilisation begrüßt uns Ghadafi an jeder Straßenecke, im Café hängt er überm Tresen. Jetzt wissen wir, was uns die ganze Zeit gefehlt hat.

1. Satz des Tages (Rosemarie): „Wenn mir danach war, habe ich immer Ulf fotografiert.“ Gesine und Ulf begeben sich auf Jagd nach ihrer Wüstenmusik, erst mal vergeblich, doch ihr fürsorglicher Fahrer hat da so ein Geschenk ...

Sebha-Flughafen: Um 8 soll der Flug gehen, doch es tut sich nicht viel. Zumindest das Gepäck ist schon mal eingecheckt. Um Kerstins Tasche kümmern sich Gesine und Ulf, für die Tablette ist sie wohl zu schwer.

Ungeachtet unserer militanten Nichtraucherdamen unterwandern wir erst mal das Rauchverbot in der Wartehalle. Mohammed teilt Bordkarten aus. Es ist 21.00 Uhr. 21.15 Uhr. Mohammed sammelt Bordkarten wieder ein. Lutz mattet ab. Wir sind müde, dreckig und möchten lieber nicht wissen, wie wir duften. 2. Satz des Tages (Gesine): „Wenn wir unsere Hosen alle auskochen, kriegen wir noch ’ne leckere Suppe raus. Vielleicht Kamel.“

Erneut Ausgabe von Bordkarten. Einchecken. Einige büßen ihre Steine ein, Peggy ihr Feuerzeug, vermutlich wollen die Kontrollbeamten gerade eine rauchen.

Gegen 23.00 Uhr Einsteigen. Die clevere Margit umläuft die Warteschlange und feiert ihren Triumph, bereits zu sitzen, während wir anderen noch genervt nach Plätzen Ausschau halten. Wieder eine Lektion in Rücksichtslosigkeit erhalten, diesmal kann ich mich einer giftigen Bemerkung nicht enthalten.

Gegen halb 12 tatsächlich Abflug. Vor uns ein Scheich mit 2 Frauen und Kindern, die ganz fasziniert sind von Peggys blondem Haar. Neben uns hängt Stasi, ganz in weiß, geleckt und geduscht, ununterbrochen am Handy, um zu demonstrieren, wie wichtig er ist. (vielleicht schwätzt er ja nur mit Mutti)

Ankunft in Tripolis. Wir treffen auf unseren Bus + Fahrer und fahren zum Hotel. Erstmal frustriert. 2.30 am Morgen. 3 Sicherheitsschleusen für uns und das Gepäck, lästiges Ausfüllen des Anmeldeformulars, Abgabe der Pässe, nichts vorbereitet, es zieht sich ...Gesine träumt laut von Entwicklungshilfe für Tourismus in Libyen im Allgemeinen und Hotelwesen im Besonderen. Immerhin: Ghadafi  begrüßt uns hängend in der Halle. Ingrid ist stinksauer, die anderen müden vor sich hin. Letztes Pfeifchen im Foyer, es ist sowieso alles zu spät. Raus aus den versandeten Klamotten ... Ich dusche eine knappe Stunde.

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